Besser beraten mit dem BeQu-Konzept: Die Projektpartner Universität Heidelberg und nfb auf der Zielgeraden

25.09.2014 -

Mit der Fertigstellung der Qualitätsstandards für die Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung (BeQu-Standards), des Kompetenzprofils für Beratende und des Qualitätsentwicklungsrahmens für die Veröffentlichung im W. Bertelsmann Verlag (wbv) nähert sich das Projekt Beratungsqualität – kurz BeQu genannt – dem Ende seiner zweiten Förderphase. Dem BMBF wollen wir an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich für sein fachliches und finanzielles Engagement danken.

Unter dem Motto „Besser beraten mit dem BeQu-Konzept“ werden diese Instrumente zur Professionalisierung der Beratung nun ab November 2014 interessierten Beratungsanbietern für ihre Qualitätsarbeit zur Verfügung gestellt – Start frei für mehr Commitment von Beratenden, Organisationen und politisch Verantwortlichen für noch bessere Beratung!

Nach fünf Runden Tischen, zahlreichen Konsultationen mit Experten/innen aus den verschiedenen Beratungsbereichen und intensiven Überarbeitungsschleifen wurden die Qualitätsstandards und das Kompetenzprofil den Mitgliedern des Nationalen Forums Beratung (nfb) am 27. Juni 2014 vorgelegt und mit großer Mehrheit verabschiedet. Die im nfb vertreten Organisationen und Einzelmitglieder werden sich nun dafür einsetzen, dass sie als „Standards des nfb“ eine weite Verbreitung und Anerkennung im gesamten Feld der Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung finden (Siehe auch nfb-Pressemitteilung vom 8.9.2014). Auch der fünfte und vorerst letzte Runde Tisch am 30. Juni 2014 mit Vertretern/innen des Koordinierungsbeirats und des nfb-Kuratoriums begrüßte die Qualitätsstandards und deren formelle Verabschiedung durch die Mitgliederversammlung.

Neu: Die BeQu-Standards Online

Beide Gremien unterstützten das Vorhaben, die BeQu-Standards auch online zu veröffentlichen und dort mit Erläuterungen und Beispielen zu ergänzen. So werden sie nicht nur klar, transparent und einprägsam kommuniziert, sondern erfahren auch die notwendige Konkretisierung und Vertiefung:
• Auf einer ersten Ebene wird der Standard einprägsam und plakativ in einem Satz formuliert.
• Die zweite Ebene konkretisiert und operationalisiert den Standard durch eine Reihe von Kriterien. Dabei werden – bezugnehmend auf das systemische Verständnis von Beratung – die drei relevanten Handlungsebenen adressiert; d.h. es werden konkrete Anforderungen an die Beratenden, an die Verantwortlichen in der Beratungsorganisation und an die politischen Akteure formuliert.
• Die dritte Ebene, die nur in der Online-Version der Standards enthalten sein wird (s.u.), enthält Erläuterungen, Definitionen und anschauliche Beispiele aus der Praxis der verschiedenen Beratungsfelder sowie Hinweise auf empirische Nachweismöglichkeiten, mit denen die Einhaltung des jeweiligen Standards überprüft werden kann.

Um die Beispiele und Erläuterungen (dritte Ebene), wie Beraterinnen und Berater die Qualitätsstandards in ihren jeweiligen Praxisfeldern umsetzen, noch praxisnäher zu gestalten, konnten Praktiker/innen  aus der Erprobung des Qualitätsentwicklungsrahmens (QER) für die Erarbeitung gewonnen werden. Am 25. und 26. August 2014 hatte das nfb zu einem Workshop nach Berlin eingeladen, in dem ein reger Austausch mit Beratenden aus Studienberatungen, der Weiterbildungsberatung, der Organisationsberatung und dem Übergangsmanagement Schule-Beruf u.a. zur praktischen Umsetzung der Standards stattfand, Fallbeispiele diskutiert und z.B.  Vorschläge gesammelt wurden, auf welche Leitbilder, Leitfäden u.v.m. man exemplarisch verlinken könnte. Das Feedback der Teilnehmer/innen zum Workshop: Angenehme Arbeitsatmosphäre, sehr gute Resultate und vor allem viele motivierende Ergebnisse, die man für die praktische Arbeit mitnehmen kann.

Dieser kontinuierliche Prozess der Beteiligung von Praktiker/innen wird zukünftig online auf der Webseite der Standards fortgeführt, um so die gemeinsame Weiterentwicklung der Standards im Feld öffentlich fortzusetzen. In den Runden Tischen war angeregt worden, die Qualitätsstandards und ihre Ebenen als interaktive Onlineplattform zu publizieren, die es ermöglicht, individuell verschiedene Bezüge zwischen den Standards und Kriterien herzustellen, bestimmte Bereiche zu fokussieren und dabei auch Möglichkeiten zum Austausch bietet. Diese Idee wird nun umgesetzt und ab November 2014 werden die Qualitätsstandards und das Kompetenzprofil eine eigene Plattform im Internet haben. Sie sind schon jetzt herzlich eingeladen, diese aktiv zu nutzen.

Kurz vor dem Abschluss – die QER-Erprobung

In der Heidelberger Forschungsgruppe steht nun die wissenschaftliche Auswertung der Erprobungen des QER und der Kompetenzerfassung an. Die drei Qualitätsentwicklungsgruppen schließen die Erprobung des QER derzeit ab. Die letzten QER Schulungs-Workshops haben im Frühsommer stattgefunden und momentan bringen die Erprobungsorganisationen ihre Dokumentation auf der Qualitätsplattform zu ihren Qualitätsaktivitäten (QER Nutzung) zum Abschluss. Begleitend werden bisher gewonnene Daten aufbereitet und durch eine abschließende Befragung aller Erprobungsorganisationen ergänzt. Am 10. November 2014 findet in Heidelberg für alle Erprobungseinrichtungen ein abschließender QER Workshop gemeinsam mit allen drei Qualitätsentwicklungsgruppen statt.

Online-Umfrage zu Erfahrungen mit Qualitätsentwicklungsprozessen

Wenn auch der Stolz auf das Erreichte und die Zuversicht auf gute Verbreitung im Feld groß sind - der Blick über den Tellerrand darf nicht fehlen. Hierzu möchte das nfb mit einer Studie einen Blick „hinter die Kulissen“ von Qualitätsstandards, QS-Systemen und Zertifikaten werfen, denn um die Qualitätsentwicklung in der Beratungslandschaft weiter voranzubringen, braucht man auch ein möglichst genaues Bild der aktuellen Realität. Im Verlauf des BeQu-Projekts hat sich das Fehlen empirisch gesicherter Erkenntnisse darüber, ob und an welchen Qualitätsstandards sich Beratungseinrichtungen orientieren und in welchem Umfang sie eine systematische Qualitätsentwicklung betreiben und QS-Systeme nutzen, als sehr hinderlich erwiesen. Darüber hinaus möchten wir wissen, wie Beratungseinrichtungen die von ihnen genutzten Verfahren beurteilen (Vor- und Nachteile), welche Erwartungen und Anforderungen  sie an QS-Verfahren stellen, welche Erfahrungen sie in Bezug auf Aufwand und Ertrag gemacht haben und wie sie den Nutzen für sich selbst und für Ratsuchende einschätzen.

Im Oktober 2014 wird das nfb eine Online-Befragung zu diesen Themen auf den Weg bringen. Die Befragung richtet sich an Führungskräfte von Beratungseinrichtungen, leitende Mitarbeiter/innen öffentlicher, gemeinnütziger und privatwirtschaftlicher Beratungsstellen bzw. - bei größeren  Organisationen – der für die Beratung zuständigen Organisationseinheit sowie Beratende in freier Praxis. Nähere Informationen werden im Oktober auf der nfb-Webseite sowie auf der Projektwebseite veröffentlicht.

Der Herbst wird also spannend und wird neben ausgereiften Früchten auch viel Neues bieten. Wir freuen uns auf Ihr Feedback und Ihre Unterstützung im BeQu-II-Endspurt.

Susanne Schmidtpott und Judith Langner, nfb

Freier Zugang für Alle – Open Access Publikationen

Selbstverständlich gibt es alle Projektergebnisse auch in einem ansprechenden und übersichtlichen Druckformat:

  • ein Faltblatt zur Erst-/Überblicksinformation (Executive Summary) für Politik und Fachöffentlichkeit
  • eine Broschüre zu den Qualitätsstandards
  • eine Broschüre zum Kompetenzprofil mit Eckpunkten zur Kompetenzerfassung
  • eine Broschüre zum Qualitätsentwicklungsrahmen und den angebotenen Unterstützungsinstrumenten

Auch diese Publikationen werden Mitte November erscheinen. 

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